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Deutsche Telekom - Das Geschäftsjahr 2007

Gemeinsam einsam? Kommunikativ erreichbar zu sein ist heute die wichtigste Voraussetzung eines erfolgreichen Lebens. Damit r ckt der soziale Mehrwert des Linking ins Zentrum der Internet-Kultur: Sei verf gbar! Mach’ Dich sichtbar! Von Prof. Dr. Norbert Bolz Die Weltgesellschaft kann man nicht mehr verorten. Was allein noch z hlt, ist die Zeit, die immer knapp ist. Eile, Dringlichkeit, Beschleu- nigung und Befristung sind die großen Themen unserer Zeit. Mobilit t heißt aber auch „availa- bility“: allzeit bereit! Damit ist die ethische Forde- rung verkn pft, immer verf gbar zu sein. Das ist m glich, weil wir heute Anwesenheit durch kommunikative Erreichbarkeit ersetzen. Marke- tingexperten haben daf r schon einen neuen, eleganten Begriff gefunden: Linking Value. Dieser soziale Mehrwert des Linking macht deutlich, dass den Menschen die Beteiligung an Kommu- nikation wichtiger ist als die Information. Man kann heute selbst w hlen, mit wem man interagiert. Zwischen den Extremen der kalten, formalen Organisation der Mitglieder und der stallwarmen Solidargemeinschaft der „Br der“ bildet sich eine emanzipierte Gemeinschaft von Operatoren heraus, die weder ungesellig noch gesellig sind. So l sst sich die moderne Gesellschaft als Netzwerk hochselektiver Ver- kn pfungen darstellen, gepr gt durch einen vernetzten Individualismus und eine fortschrei- tende Privatisierung der Geselligkeit. Das ist keine einheitliche Kultur, sondern ein Netzwerk von speziellen Interessen- und Wissensgruppen. In offenen Netzen gibt es verschiedene Stufen der Anonymit t. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn man anonym bleiben kann, kann man ohne Gesichtsverlust seine Meinung ndern. Man kann aber auch Rollen tauschen, ja das Geschlecht wechseln. Das ist das verlockendste Angebot der Netzkommunikation: Man darf ein anderer sein! Offene Netze erlauben es mir, mich selbst zu erfinden – immer wieder neu. Es ist die große kulturelle Verheißung des Inter- net-Zeitalters, dass wir nach den Etappen der archaischen Stammesgemeinschaft und der modernen „Entfremdung“ nun wieder vor einer neuen Gemeinschaftsform stehen: der von elekt- ronischen Netzwerken getragenen organisatori- schen Nachbarschaft. Die eigentliche Bedeu- tung der Netzwerke liegt n mlich nicht in der Dimension der Informationsverarbeitung, son- dern in der Bildung von Gemeinschaften. Popularit t heißt heute also: Viele Links zeigen auf mich. Und weil Popularit t attraktiv ist, wird dem, der hat, noch mehr gegeben. Alle k nnen sich heute im Netz artikulieren, aber nur von wenigen wird Notiz genommen, nur wenige werden sichtbar. Wenn niemand auf meine Webpage verweist, existiere ich praktisch nicht – im Netz. Wahrgenommenwerden ist alles.

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