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Deutsche Telekom - Das Geschäftsjahr 2008

Der Telekommunikation lag ursprünglich der Gedanke der Knappheit an Kommunikations- möglichkeiten zugrunde: Wir hatten ein Telefon, maximal zwei, es gab nur ein paar Rundfunk- anstalten und unsere Zeitungen und Bücher wurden auf ungeheuer großen und teuren Maschinen gedruckt. Diese Knappheit hat unser Denken, unsere Institutionen und die Machtverteilung geprägt. Heute kann jeder weltweit publizieren und sich mit einem einzelnen oder mit einer Million Menschen vernetzen – plötzlich gibt es Über- fluss, wo einst nur Knappheit herrschte. Wir erleben einen Überfluss an positiven Werten, aber auch einen Überfluss an Negativem – intelligente, leidenschaftliche Debatten, aber auch schwachsinnige Hasstiraden. Mit der Fülle an negativen Werten können wir ganz gut umgehen – wir filtern die Spams und umgehen den Morast im Web. Der Umgang mit der Fülle an Gutem ist die eigentliche Herausforderung. Das gilt für uns persönlich, vor allem aber auch dafür, welche Auswirkungen dies auf Institutio- nen hat – immer nach dem alten Grundsatz: Das Gute – und das meint eben auch gute Ver- bindungen – ist rar. Mutig begegnen wir der Fülle an Gutem. Es wird kein Web 3.0 geben. Metadaten werden zwar immer cleverer, aber niemals perfekt. 1. 2. 3. Diese Fülle übertrifft sogar noch die kühnsten Prognosen von vor 15 oder 20 Jahren, als man befürchtete, wir würden in einer Informations- flut ertrinken. Aber das ist nicht eingetreten. Vielmehr stellen wir fest, dass die Lösung des Problems darin liegt, noch mehr Informationen zu produzieren: Informationen über Informa- tionen, so genannte Metadaten. Mit Hilfe dieser Metadaten finden wir, was wir suchen. Allerdings mussten dafür die Metadaten neu erfunden werden. Früher wurden Metadaten von Experten generiert, die die Suchbegriffe oder Rubriken festlegten, etwa den Titel eines Buches oder den Autoren, nicht aber beispielsweise das Gewicht eines Buches. Im Zeitalter des Überflusses funktioniert das so nicht mehr, denn in unserer neuen Welt gilt alles als Meta- daten, auch Inhalte. Man kann ein Werk online finden, indem man nach einem Zitat daraus sucht. Und: Wir können dieses Gebiet nicht mehr nur den Experten überlassen, denn wir alle generieren Metadaten füreinander. Dieses bunte Durcheinander wird jedes noch so durchdachte und ausgefeilte System in den Schatten stellen, es ist ein Symbol für das Leben selbst. Es wird kein Web 3.0 geben, weil das, was zur Zeit entsteht, zu vielschichtig ist, als dass es mit einer einzelnen Zahl erfasst werden kann. Das Web 2.0 – ein nützliches, aber noch unvollkom- menes Konzept – gibt seinen Nutzern immer leistungsfähigere Tools an die Hand, um sich mit anderen zu vernetzen und neue Ideen umzusetzen. Dies ist eine Formel für radikale Innovation. Immer neue soziale Strukturen und immer neue Vernetzungstechnologien schrauben sich in einer Art Doppelhelix gegen- seitig höher und höher. Werden Standortinfor- mationen mit der virtuellen Welt verflochten? Ja. Neue Möglichkeiten, uns in den digitalen Raum zu projizieren? Ja. Möglichkeiten, von denen wir jetzt noch nicht einmal träumen? Ja. Das Web 2.0 bietet uns eine Plattform, die weit über unsere bisherigen Vorstellungen hinausreicht. Jetzt erkennen wir, dass Realismus selbst ein Begriff ist, der aus dem Gedanken der Knapp- heit entstanden ist. Wir haben nicht nur die technologischen Möglichkeiten falsch einge- schätzt, sondern auch uns selbst. Denn gemein- sam, d.h. verbunden und miteinander vernetzt, werden wir Aufgaben meistern, die ehemals undenkbar gewesen wären: die größte Enzyklo- pädie der Welt in unserer Freizeit zu schreiben oder jemandem, den wir nur unter seinem Pseudonym kennen, in seinem Leid beizu- stehen. Wir werden nicht aufhören, bis wir alles und jeden miteinander vernetzt haben.

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