Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Eignung_Lehrerberuf_neu

14 Deutsche Telekom Stiftung  Für den Lehrerberuf geeignet? In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist die Selbsterkundung der eigenen Neigung und Eignung an einen Praxiskontext angebunden und wird dokumentiert. Die Auseinandersetzung mit Persönlichkeitseigenschaften und Interessen an den Berufsaufgaben via Self-Assessment wird dabei durch individuelle Erfahrungen in der berufspraktischen Arbeit gestützt und durch Berater bzw. Mentoren begleitet. In einigen Bundesländern ist die Eignungsabklärung institu­ tionenübergreifend angelegt. Das bedeutet, in der Beratung und Begleitung der Studienbe- werber und Praktikanten arbeiten Fachleute aus unterschiedlichen Phasen der Lehrerbildung zusammen. In den meisten Ländern ist die Eignungsabklä- rung in der Bewerbungsphase demnach ein Baustein eines reflektierten Professionalisie- rungsprozesses, wie es auch in der KMK-Emp- fehlung deutlich wird. Vorreiter sind hierbei die Bundesländer Hamburg und Rheinland-Pfalz, die die Lehramtsstudierenden zum Teil bis in den Berufseinstieg hinein immer wieder mit Impulsen zur Selbsterkundung konfrontieren und dadurch ausbildungsbegleitend Reflexionsprozesse an- stoßen. Im Falle von Rheinland-Pfalz wird auch deutlich, dass die Zuständigkeit nur eines Mi- nisteriums für alle Phasen der Lehrerausbildung eine ausbildungsbegleitende Initiative deutlich erleichtert. Wenn wie in Nordrhein-Westfalen das Ministerium für Schule und Weiterbildung nur für die Zeit vor dem Studium und den Vorberei- tungsdienst verantwortlich ist, für das Studium hingegen das Wissenschaftsministerium, müsste die Eignungsabklärung in der Verantwortung beider Ministerien liegen, sollte eine die gesamte Ausbildung begleitende Initiative das Ziel sein. Das große Interesse der Länder am Thema Eignungsprüfung zeigt sich auch in der Bereit- stellung personeller und finanzieller Ressourcen. In Nordrhein-Westfalen wurde beispielsweise viel in die Ausbildung der Mentoren investiert, in allen Ländern außer in Bayern werden finanzielle Mittel für die Evaluation und Forschung bereit- gestellt. In Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Rheinland-Pfalz wurden darüber hinaus eigene Verfahren entwickelt oder vorhandene Verfahren weiterentwickelt. Tendenzen. Laut Recherche sind es sechs Bundesländer, die das Thema der Eignung für den Lehrerberuf im Lehrerausbildungsgesetz ansprechen bzw. die Überprüfung desselben im Gesetz verankern. Die Wege, die die Bundesländer dabei gehen, sind unterschiedlich, es lassen sich aber auch gemeinsame Tendenzen aufzeigen. Allen Ländern ist gemeinsam, dass sie nicht auf eine von außen gesteuerte Auswahl der am Lehrerberuf Interessierten zielen, sondern die Selbstreflexion der zukünftigen Lehrkräfte unterstützen. Mit Ausnahme von Bayern, das ausschließlich ein orientierendes Praktikum vorschreibt und auf weitere Instrumente zur Eig- nungsabklärung nur verlinkt, und Mecklenburg- Vorpommern haben alle diese Bundesländer In­ strumente zur internetbasierten Selbsterkundung in die Bewerbungsphase integriert. Einige Bundesländer haben sogar einen Mix aus Selbsterkundung, Beratung, manchmal auch Er- fahrung in Praxisphasen und Dokumentation der Reflexionsprozesse gewählt oder planen, das zu tun. Im Vordergrund steht nicht die Regulierung des Zugangs zur Lehrerausbildung unter der Fra- ge „Wie halten wir ungeeignete Personen vom Lehrerstudium ab?“, sondern die Frage nach einer möglichst umfassenden und praxisbasier- ten Selbstüberprüfung und Verantwortungsüber- nahme für den eigenen Qualifizierungsprozess. Dazu gehört auch, dass in den meisten Ländern die Eignungsabklärung keine singuläre Maßnah- me zu Beginn der Lehrerausbildung darstellt. Von der Eignungsabklärung gehen Impulse für das Studium aus, zum Beispiel durch die Rückmeldung von Gruppen­ergebnissen aus den Selbsterkundungsverfahren oder durch das Auf- greifen von Reflexionsimpulsen in der weiteren Lehrerbildung. Die Zeitpunkte für die gesetzliche Verankerung der Eignungsabklärung beziehen sich in allen Ländern auf die Phase zwischen Abitur und Zulassung. In Einzelfällen kann sich der Zeitraum auch noch bis ins erste Semester verlängern. Ausnahme ist Rheinland-Pfalz, das die Eignungs- abklärung auch im Gesetz (Reformkonzept) aus- bildungsbegleitend anlegt. Für die Zeit vor dem Abitur gibt es in den Lehrerausbildungsgesetzen keine gesetzliche Verankerung einer Eignungs- überprüfung bzw. Reflexion der Berufswahl Lehr- amt. Trotzdem sind die meisten Länder hier aktiv und versuchen, über Abiturmessen, Beratungs- angebote und spezielle Informationsbroschüren Schüler für den Lehrerberuf zu interessieren. In vielen Fällen spielt auch die Eignungsabklärung und Auseinandersetzung mit Berufswahlmoti- ven eine große Rolle. Ein Beispiel dafür ist der Schülercampus, der in mehreren Bundesländern durchgeführt wird (siehe Kasten Seite 15).

Pages