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Eignung_Lehrerberuf_neu

6 Deutsche Telekom Stiftung  Für den Lehrerberuf geeignet? Ein Grund dafür ist – neben einer hierzulande verbreiteten Skepsis gegenüber Selektion –, dass in Zeiten eines sich verschärfenden Leh- rermangels eher die Sorge besteht, zu wenige als zu wenig gute Lehrkräfte zur Verfügung zu haben. Die Absicht, ungeeignete Personen vom Lehrerberuf fernzuhalten, wird deshalb ergänzt um das Anwerben von Lehrkräften, insbesonde- re solcher mit speziellem Hintergrund (z. B. mit Migrationsgeschichte) und besonderen Interes- sen (z. B. für die Mangelfächer im mathematisch- naturwissenschaftlich-technischen Bereich). Das Ziel der Eignungsabklärung und der be- gleitenden Beratung, aber auch das Ziel einer eventuellen Bewerberauswahl ist es, „gut ge- eignete“ Personen in das Lehramtsstudium und in weiterer Folge in den Lehrerberuf zu bringen bzw. „weniger geeignete“ Personen von einer solchen Laufbahn abzuhalten. Dabei gibt es allerdings keine klare Trennung in „Geeignete“ und „Ungeeignete“. Es geht vielmehr um eine – mit vielerlei Unwägbarkeiten verbundene – Pro- gnose späterer Berufsbewährung. In diesem Kontext ist „Eignung“ daher keine fixe Größe – sie bedeutet vielmehr das Vorliegen von Dispositionen und Kompetenzen, die es mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten lassen, dass Studierende die Lehrerausbildung erfolg- reich durchlaufen, später den Lehrerberuf über längere Zeit kompetent und berufszufrieden ausüben und sich im Beruf kontinuierlich weiter- entwickeln. Die Eignung für den Lehrerberuf wird für eine sehr lange Zeitphase vorausgesagt. Zwischen dem Eintritt in das Studium und der ersten Tätig- keit als „richtiger“ Lehrkraft liegen etliche Jahre der universitären und seminaristischen Ausbil- dung. Für die Eignungsbestimmung kommen für den Lehrerberuf also nur Merkmale infrage, die eine solche langfristige Prognose erlauben und auch die mögliche Beeinflussung durch die Aus- und Weiterbildung mit einbeziehen. Es ist deshalb notwendig, Eignung je nach berufsbio- grafischer Phase anders zu definieren. Bezieht man die Eignungsdefinition auf den Berufsein- Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland eine breite Diskussion zur Frage der Lehrerrekrutie- rung, Lehrereignung und Studierendenauswahl. Angestoßen wurde diese von Ergebnissen der Lehrerbelastungsforschung. Sie zeigen, dass viele Lehramtsstudierende für den Lehrerberuf ungünstige Merkmale mitbringen, die sich durch die Ausbildung nur schwer verändern lassen. Verstärkt wird die Diskussion durch die für alle deutschsprachigen Länder ernüchternden PISA- Schulleistungsvergleiche (PISA, Programme for International Student Assessment). Der Blick in das PISA-Musterland Finnland legt nahe, dass man um strikte Auswahl der bestge- eigneten Bewerber* für das Lehramtsstudium kaum herumkommt, wenn man gute Schüler- leistungen erzielen möchte. Diese selektive Per- spektive wurde 2005 auch durch eine Expertise der Organisation für wirtschaftliche Zusammen- arbeit und Entwicklung (OECD) gestützt, die ein Maßnahmenbündel vorschlägt, um gute Lehr- kräfte zu gewinnen: Potenziell geeignete Perso- nen auf den Beruf aufmerksam zu machen, sie auszuwählen und sie zu qualifizieren sind drei dieser Maßnahmen. Einen wichtigen Anstoß zur Diskussion und für Initiativen in Deutschland lieferte die Novelle des Hochschulrahmengesetzes 2004. Auf dieser rechtlichen Basis erhielten die Hochschulen deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei der Eignungsprüfung, Beratung und Auswahl der Studierenden. 2009 wurde die Thematik der Eignungsabklä- rung, Beratung und Auswahl im Lehrerberuf erstmalig auf einer großen Tagung an der Universität Trier in die bildungspolitische Öf- fentlichkeit getragen, weitere Tagungen und Expertenrunden folgten. Das führte dazu, dass verschiedene Bundesländer und Hochschulen Konzepte entwickelten und umsetzten. Dabei wurden „weichere“ Strategien der Zugangssteu- erung in Form von Beratungsverfahren und Self- Assessments eingeführt. Einführung. * In dieser Publikation wird der Lesbarkeit halber die männliche Form auch als Synonym für die weibliche Form verwendet.

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